"C" steht für

23.04.2019

Verantwortung für Schöpfung, Mensch, Natur sowie für Toleranz und Wahrung der Kultur

Die CDU entsprang im Nachkriegsdeutschland der weitverbreiteten Haltung, dass die christlich-humanistische Ethik des europäischen Kulturraums diejenigen sittlichen Normen und Grundwerte verkörpere, die der Nationalsozialismus und der Totalitarismus mit Füßen getreten hätten. Die Union sollte nun als interkonfessionelle Partei der Mitte die Christen verschiedener Bekenntnisse zusammenführen, sollte Menschen aller Schichten sowie verschiedener Überzeugungen und Interessen zusammenführen, dabei auch für Nichtchristen offen sein. Das „C“ steht damit für Toleranz sowie für interreligiösen und interkulturellen Dialog. Die Katholiken argumentierten diesbezüglich zumeist naturrechtlich, das heißt von der christlichen Ethik her, in deren Zentrum Person und Menschenwürde sowie die bekannten Sozialprinzipien Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl und der Gerechtigkeit stehen. Das Gros der Protestanten hingegen argumentierte lieber von einer Politik aus dem Glauben heraus. 

Konrad Adenauer hatte die Diskrepanzen der unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten des „C“ erkannt und in sein Programm für die CDU der britischen Zone (1946) Konsensformeln aufgenommen, die der Ambivalenz des „C“ Rechnung trugen. Menschenwürde, Personidee, Verantwortungsethik, Freiheitsidee und Rechtsstaatsgedanke sollen die Grundlagen christlicher Demokratie sein, die sich aus der christlichen Ethik, dem christlichen Naturrecht sowie der christlich-europäischen/-abendländischen Kultur ableiten. Das „C“ wird seither verantwortungsethisch interpretiert. Es schließt die Orientierung an ethischen aber auch kulturellen Werten ein.

Trotz der heutigen Säkularisierung der Gesellschaft bietet die Vergewisserung des christlichen Menschenbildes und der christlichen Kultur durchaus Lösungen - oder zumindest Halt - auf eine Reihe aktueller politischer Fragen. Trotz Gesellschaftswandel weg von Religion bleiben Umweltbewusstsein, kulturelle Identität, christliche Feiertage und Menschenrechte aktueller denn je. Darauf besonnen könnten diese vor zu harschen kulturellem Umbruch schützen. Ganz gleich ob der persönliche Glaube die Schöpfung Gottes, die kosmische Schöpfung oder evolutionäre Schöpfung verheißen mag.  Jedem Verständnis von Schöpfung nach sind Mensch, Natur und Umwelt ein schützenswertes Gut, über das der Mensch daher nicht frei verfügen sollte. An diesen Grundwerten will sich die Politik der CDU messen und auch kritisieren lassen. Diese, unsere Grundwerte bieten die Grundlagen für politische Abwägungen.  Sie sind in ihren Konsequenzen nachvollziehbar, einsichtig und bedeutsam auch für jene, die nicht an ihre christliche Begründung zu glauben mögen. Sie führen nämlich nicht zu einer christlichen Politik, einer christlichen Partei oder einer christlichen Demokratie, sondern zu einem bestimmten politischen Stil und zu kritischen Maßstäben für eine Politik, die jeweils an den Konsequenzen für den Menschen zu erkennen und zu messen sein soll.

Blumenthal