"D" steht für

23.04.2019

Freiheit, Sicherheit und für eine Politik, die sich an der Gemeinschaft orientiert

Verantwortung setzt unabdingbar Handlungsfreiheit voraus. Dies entspricht der Auffassung, dass der Akteur aufgrund einer Entscheidung tatsächlich auch anders hätte handeln können. Der Verantwortliche wird als jemand betrachtet, der autonom seiner sittlichen Vernunft folgend eine willkürliche Entscheidung treffen und auch durch eine Handlung verwirklichen kann, obwohl er auch anders hätte handeln können. Eine freie Handlung erfolgt hiernach ohne Zwang und ist nicht zufällig.

Demokratie verlangt neben dem Mehrheits- und Konsensprinzip die Einhaltung der Grundrechte. Diese betonen ebenfalls stets die Freiheit: Pressefreiheit, Organisationsfreiheit, Rezipientenfreiheit, Meinungsfreiheit, das Recht auf freie Wahlen. Auch Demokratie verlangt demnach eine bedingungslose Liberalität. Jedoch kann niemand frei leben, frei handeln und frei entscheiden, wenn er unter Zwängen von anderen steht und Angst haben muss. Liberalität bedingt demnach die Gewissheit, man dürfe sich tatsächlich frei entscheiden. Freiheit und Ordnung sind also keine Gegensätze sondern konservativ. Ordnung ist der Grund, auf dem die Freiheit gedeiht. Man kann die Menschen nicht gleich machen und eine schlechthin perfekte Gesellschaft schaffen. Freiheit bedingt die Möglichkeit der Selbstbestimmung des Menschen. Von diesen Möglichkeiten kann aber nur Gebrauch machen, wer geschützt ist. Die liberale Ordnung lebt folglich von ihrer Erzwingbarkeit. Freiheit beruht auf der Voraussetzung von Sicherheit und Unabhängigkeit.

Der Konservative weiß, dass Selbstbestimmung und Sicherheit evident sind und man Menschen nicht nach Belieben zurichten kann. Es ist falsch zu glauben, der voraussetzungslose Mensch könne tun und lassen was er will, weil er vernunftbegabt sei und sich keiner letzten, unbegründeten Ordnung mehr unterwerfen müsse. Alle doktrinen Weltverbesserungsprojekte haben nichts als Krieg, Elend und Gewalt produziert, weil sie auf menschliche Möglichkeiten keine Rücksicht genommen haben. Sie sind gescheitert, weil das Leben sie korrigiert hat. Schmerzfreie Veränderungen gibt es nur, wenn sie sich im Gewand der Sprachen, Sitten und Gewohnheiten derer vollziehen, die sie ertragen müssen. Veränderungen finden nur Akzeptanz, wenn die Bürger von ihrer Notwendigkeit selbst überzeugt sind. Dazu müssen sie tatsächlich als Verbesserung des Lebens wahrgenommen werden. Dabei gibt es keinen Lebensvollzug, der zum endgültigen Abschluss kommen kann. Man kann nur zur Einsicht kommen, dass es die beste aller Gesellschaften nicht geben wird und auch nicht geben kann. Konservative Politik stellt sich damit nicht gegen Fortschritt. Aber man kann nicht Fortschritt nennen, was sich nicht in Übereinstimmung mit der Lebenswelt derer vollzieht, die sich verändern sollen. Traditionen verändern sich auf dem Grund der Tradition.
Blumenthal