Radverkehr für Pendler attraktiv machen

10.04.2019
Strausberg wächst. Wie geht man mit auftretenden Problemen um, wie zum Beispiel dem steigenden Kraftverkehr (motorisierter Individual Verkehr - MIV) und der damit einhergehenden Lärm-, Luftbelastungen oder dem wenigen Platz für alle Verkehrsteilnehmer? Marcel Bobzin war für den CDU Stadtverband Strausberg am 03. April 2019 beim Deutschen Institut für Urbanistik.
 
Aus dem Fachbereich Mobilität/Fahrradakademie referierten zum Thema "RADVERKEHR FÜR PENDLER ATTRAKTIVE MACHEN" u. a. Vertreter/in der Deutschen Bahn Station & Service AG, der Stadt München, dem -Zukunftsnetz Mobilität- aus Nordrhein-Westfalen und der Regionalpark RheinMain Südwest gGmbH Hessen. Zu Beginn hielt Herr Stark aus der Stadtverwaltung München, Abt. Verkehrsplanung, einen spannenden Vortrag über die Maßnahmen der Stadt München zur Verbesserung der Radinfrastruktur. Dabei wurde das Leuchtturmprojekt -Münchner Norden- vorgestellt. Neben den Rahmenbedingungen, wie Bevölkerungszuwachs und Ausdehnung der Stadt München und der Region München, machte Herr Stark auch die Probleme deutlich. Belastend für die Stadt München wird durch den Bevölkerungszuwachs die Zunahme des MIV sein, welcher die Straßenkapazität im Tagesverlauf zur Dauerauslastung bringen wird, ohne morgendlicher und abendlicher Spitze, wie in Strausberg.Zwa r ist die politische Richtung, welche die Fahrradinfrastruktur betrifft eindeutig. Die Stadt München will und gibt dafür Mittel in Höhe von 25 Millionen Euro frei. Aber wenn es um Einschnitte für den Kraftverkehr geht, fehlt der politische Mut. Beispielhaft sei dafür das mögliche entfernen von rund 900 Kurzparkplätzen, die Fällung mehrerer Dutzend Bäume, durchaus Diskussion würdig, oder die Implementierung einer Stabsstelle Radverkehrs- bzw. Mobilitätsbeauftragter direkt beim Oberbürgermeister dar. Im Verlauf des Vortrages wurde wiederholt die positive Vorausahnung des Herrn Stark erkennbar. Die Stadt München wird es machen.
 
Herr Winter (DB) stellte drei Kooperationsprojekte der Deutschen Bahn vor, bei den es um die Verbesserung der Radabstellanlagen an Bahnhöfen geht. Herr Winter stellte klar, dass bei vielen Bahnhöfen die DB für Radinfrastruktur nicht zuständig sein, sondern die Kommunen, des Weiteren sei aber nach neuer Gesetzteslage nun etwas mehr möglich. Dabei geht es darum, dass die DB Flächen Mietfrei zur Verfügung stellt und sich um die Beantragung von Fördermittel kümmert. Hacken ist hier einmal eine Bagatellgrenze in Bereich Kosten die Übernommen werden und die Große der Abstellanlage die Förderfähig sind, diese sind für kleine Bahnhöfe evtl. zu groß und dadurch kaum finanzierbar. Mit einem Lächeln führt Herr Winter aus, dass es aber eine Möglichkeit gibt trotzdem an die Förderung zu kommen.
 
Frau Brosch aus Nordrhein-Westfalen stellte das Zukunftsnetz Mobilität NRW vor. Dabei wird Kommunen eine Plattform bereitgestellt, bei der Fachwissen und Hilfe in verschiedener Form abgerufen werden kann, um ein kommunales Mobilitätsmanagement strategisch aufzubauen und zu führen. Neben verschiedenen Öffentlichkeitskampagnen, fachlicher Expertise in Bereichen Car-/ Bike-Sharing und weiterem, stellt die Ausbildung Mobiltätsbeauftragter für Mitarbeiter/in von Städte, Kommunen und anderen Institutionen das Alleinstellungsmerkmal des Zukunftsnetz Mobilität NRW dar. Bei freien Kapazitäten im Lehrgang werden auch Mitarbeiter/in von Kommunen aufgenommen, die nicht Mitglied des Netzwerkes sind. Vielleicht auch was für Strausberg?

Nach der Mittagspause wurde eine Gruppenarbeit zum Thema Radschnellweg für Pendler durchgeführt. Dabei wurden Lichtbilder aus anderen Städten mit besserer oder schlechterer Radinfrastruktursituationen bei Radschnellwege gezeigt und die Frage gestellt, ob und welche Probleme es geben kann und wird. Wenn solche Maßnahmen in den Heimatkommunen der Teilnehmer zu implementieren wären. Dabei könnte alles aufgeführt werden, was Probleme ergibt, ob es der  Natur-/Tierschutz ist oder die Belange von Anwohner oder beispielsweise von Wasserbehörden. Interessanterweise waren die Beteiligten, alles Radfahrer, immer bedacht die vielen Belange aller Verkehrsteilnehmer mit einfließen zu lassen. Dem Kraftfahrzeugverkehr die störungsfreie Fahrt, dem Fußgänger die Schwellenfreiheit und dem Radfahrer die Sicherheit. Nebeneffekte wie Regenwassermanagement und Lärmschutz für Anwohner fand ebenso ihren Weg in die Diskussion.

Als wahrscheinlich ungewollten Höhepunkt des Tages stellte Herr M. Ockel der Bürgermeister der Stadt Kelsterbach und Geschäftsführer der Regionalpark RheinMain Südwest gGmbH die Radschnellverbindung zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt vor. Herr Ockel bereitete es sichtlich große Freude über dieses 33,5 km lange Projekt mit sieben teilnehmenden Kommunen zu berichten. Schon in den ersten Ausführungen wurde klar, dass Herr Ockel ein Macher ist. Nicht nur Forderungen seinerseits ggü. den teilnehmenden Gemeinden und anderen Beteiligten, wie feste Ansprechpartner in der Politik und der Verwaltung, sondern auch seine hohe Kompromissbereitschaft in vielen Punkten wurde schnell klar. Bei diesem Projekt wurde kein Planfeststellungsverfahren durchgeführt, alleine in diesen Punkt wäre es schätzungsweise bis acht Jahren Verzug gekommen. Es wurde zwei Streckenverläufe vorgestellt, dabei entschied sich ein Gremium für die Strecke die an bzw. durch die Kommunen und an einer aktiven Bahntrasse verläuft. Nach 14 Monaten Planung wurde mit dem Bau des ersten Abschnitts von ca. sechs Kilometer begonnen und dieser in kurzer Zeit fertigt gestellt. Obwohl die Strecke noch nicht freigegeben oder öffentlichkeitswirksam beworben wurde, waren an einem Sonntag schon 3500 Radfahrer und viele Spaziergänger darauf unterwegs. Herr Ockel begründetet sein schnelles Vorgehen, mit Einzelgenehmigungsverfahren, Teilprojektausführung, Einbindung aller Behörden, Kommunen und anderen Institutionen, wie der DB und hoher Kompromissbereitschaft. Eidechse wurden umgesiedelt und Naturschutzgebiete gemieden, das Forstamt und der DB erhielten die Erlaubnis die Strecke betrieblich zu nutzen, und die Gemeinden sind für die Zuleitung des Radverkehrs zum Radschnellweg selbst verantwortlich, auch wenn das in Uneinheitlichkeit endet. Als Schlusswort stellte sich heraus, Probleme kommen. Diese zu lösen, wenn sie da sind, ist besser als sie in einem Planungsverfahren von vornherein versuchen zu vermeiden. Übriges, die Strecke wird als normal Straße gebaut und nur da wo es nicht anders geht vier Meter, sonst bis zu sieben Meter breit. Auch hier hatten die Gemeinden keine Einwände, da das Land Hessen 80% der Kosten übernehmen wird, und der sparsame Hesse nicht billig baut, denn wer das tut baut doppelt.
 
Resümee:
Was klar geworden ist, wenn der politische Wille zu einer Förderung von Radverkehrsinfrastruktur besteht, dann geht sehr viel. Eine Kommune muss dazu das Rad nicht neu erfinden, es ist Alles dazu abrufbar. Letztlich wurde von allen Vortragenden erklärt, wenn das Angebot da ist, wird es auch genutzt. 
 
Marcel Bobzin