CDU Strausberg

Gute Adresse in Strausberg?

Wer heutzutage in Strausberg von sich reden machen oder für sich und sein Unternehmen oder seine Produkte werben will, kommt nicht umhin, seinen Standort, seine Adresse bekannt zu geben. Und insofern ist man von den Namen abhängig, die Strausberg seinen Straßen und Plätzen gegeben hat. Die Adresse wird nun einmal zu einem Teil von einem selber, ob einem das gefällt oder nicht.

Sieht man einmal von den Ortsteilen ab, hat  Strausberg 162 Straßen, Wege und Plätze. Jeder Fünfte von ihnen trägt den Namen eines Politikers, eines Dichters oder eines Künstlers. Ein Dutzend  Dichter geben Strausberger Straßen ihren Namen. Das geht los mit Bruno Bürgel und Erich Weinert setzt sich fort über Fontane, Freiligrath, Fritz Reuter und Gerhart Hauptmann. Auch der große russische Dichter Maxim Gorki ist unter den in Strausberg gewürdigten Poeten. Natürlich gibt es bei uns eine Goethestraße, eine Heinrich- Heine Straße, eine Tolstoistraße und eine Uhlandstraße. Zu den Dichtern gesellen sich mit Max- Liebermann, Käthe Kollwitz und Heinrich Zille noch Maler und Bildhauer, die Weltgeltung erlangt haben. Mit solchen Persönlichkeiten legt man Ehre ein in der Öffentlichkeit. Hier können Strausberger Vorzeigeadressen entstehen, auf die man stolz sein kann. Und nun möge sich der objektive Betrachter einmal die Ahnenreihe der 20 Politiker zu Gemüte führen, die In Strausberg einen Straßennamen tragen. Ganz selbstverständlich geht das bei uns los mit Karl Marx und Friedrich Engels, den Begründern jener Weltanschauung, mit der die Kommunisten angetreten waren, die Welt zu verändern. Mit diesen Philosophen kann man eigentlich auch in Strausberg leben, nachdem ihre Lehre inzwischen in die Reihe der anderen Philosophien zurückgetreten ist, und bei uns auch keine Hauptstraßen einnehmen. Das Gleiche trifft wohl auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu. Letzterer war immerhin ein Brandenburger, der 1914 gegen die kaiserlichen Kriegskredite im Reichstag gestimmt hat.

Dann aber kommt bei uns die Arbeiterbewegung. Hier folgt man beharrlich der Logik der letzten vier Jahrzehnte  unserer Geschichte im Osten Deutschlands. Nicht einmal in den Zentren der Arbeiterbewegung wie in Magdeburg, Chemnitz oder Riesa kann man heute so viele ehemalige Führungskräfte der KPD auf den Straßenschildern bewundern wie in dem 26 000- Seelen- Städtchen Strausberg im Osten von Berlin. Da gibt es bei uns die Ernst- Thälmann- Straße, eine der Magistralen der Stadt (etwa 3 Km Länge) trägt noch immer den Namen des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands, der im Auftrage von Stalin ( Beschluss des EKKI) das Bündnis mit den Sozialdemokraten hintertrieben und damit die Machtergreifung der Nazis ermöglicht hat. Suchen Sie mal eine Thälmannstraße in Hamburg, wo der Mann geboren wurde und KP- Vorsitzender war. Die Ahnenreihe der KP- Führer in Strausberger Straßen ist lang. Sie reicht von Artur Becker (Chef des KJVD) über Fritz Heckert, seine Heimatstadt Chemnitz widmet ihm keine Straße, Hans Beimler, Heinrich Rau und Josef Zettler. Und dann ist da noch Rudolf Egelhofer, der Kommandeur der „Roten Armee“ der bayerischen Räterepublik, der den Befehl zur Erschießung der Münchener Stadtregierung erteilt und ohne Rechtsverfahren durchgesetzt hat und der danach erschossen worden ist. An ihrem Südeingang dekoriert sich die Stadt Strausberg mit diesem Egelhofer. Der Gipfel der historischen Geschmacklosigkeit ist, dass es dadurch eine Kreuzung  der Egelhofer – und der Scharnhorststraße gibt. Der Vollständigkeit halber muss hier hinzugefügt werden, dass Strausberg die SPD- Reichstagsabgeordneten August Bebel und Friedrich Ebert mit einem Straßennamen würdigt. In dieser Reihe von Sozialdemokraten stehen auch Rudolf Breitscheid und Otto Grotewohl, dessen Format von Nöten war, um der Herbeiführung der kommunistischen Vorherrschaft in der SED einen demokratischen Anstrich zu geben. Allerdings verlor Grotewohl seine demokratische Unschuld spätestens mit der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 und mit dem Bau der Mauer 1961.  Schließlich und endlich bietet die Stadt Strausberg noch den Flottenrebellen Albin Köbis und Max Reichpietsch, dem Grenzsoldaten und Mauerschützen Peter Göring und Philipp Müller ein ehrendes Gedenken, der in Essen auf einer Demonstration gegen die Wiederbewaffnung erschossen worden war. Sollte der geschätzte Leser bei alldem noch immer die Absicht haben, sich in Strausberg niederzulassen, ein Geschäft zu eröffnen und ein Haus zu bauen, dann wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als im Interesse seiner Visitenkarte in Strausberg die richtige Straße zu wählen, vielleicht eine von den vielen, die in der „Grünen Stadt am See“ die Natur oder die umliegenden Orte beschreiben.

Die streitbaren Bürger indes sind aufgerufen, mit uns gemeinsam dafür zu sorgen, dass die besten Adressen der Stadt mit Namen versehen werden, für die man in Deutschland kein Kopfschütteln hervorruft, sondern Anerkennung erfährt.

ml